Lohnt es sich, Obst und Gemüse in Bio-Qualität zu kaufen? Gibt es Produkte, bei denen man getrost darauf verzichten kann?

Es gibt verschiedene Gründe für den Kauf von Bio-Produkten. Der wichtigste ist für mich, die eigene Belastung mit chemischen Pestiziden möglichst gering zu halten.

Die Mengen, die wir konsumieren, mögen zwar sehr klein sein. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich die Auswirkungen solcher Gifte verstärken, wenn man sie über einen längeren Zeitraum konsumiert. Eine Reihe von Pestiziden stehen in Verdacht, an der Entstehung von Krebs, Parkinson, Alzheimer, Diabetes und anderen Krankheiten beteiligt zu sein.

Aktuell: Am 7. Juli 2017 setzte Kalifornien das umstrittene Pestizid „Glyphosat“ auf die schwarze Liste der krebserregenden Chemikalien. In Deutschland wird es auf rund 40% der Felder verwendet.

Welches Obst- und Gemüse ist am stärksten belastet?

Um sich möglichst wenig Giften auszusetzen wäre es natürlich am besten, alles in Bio-Qualität zu kaufen. Doch wie realistisch ist das? Die wenigsten können oder wollen sich das leisten. Macht es Sinn Prioritäten zu setzen? Gibt es Obst- und Gemüsesorten, die sehr stark belastet sind, und solche die kaum belastet sind?

Die amerikanische Nonprofit-Organisation Environment Working Group (EWG) veröffentlicht jedes Jahr aufgrund tausender Produktproben die Liste der „Dirty Dozen“ („Dreckiges Dutzend“). In dieser Liste werden die Obst- und Gemüsesorten aufgelistet, die im verzehrfertigen Zustand (also nach dem Waschen und Schälen!) noch die meisten Rückstände an Pestiziden aufweisen. Weiterhin gibt es mit den „Clean 15“ („Die Sauberen 15“) eine Liste der Sorten mit der geringsten Belastung. Diese kann man dann auch getrost in konventioneller Qualität kaufen.

 

Diese Listen der EWG können uns Anhaltspunkte für unser Kaufverhalten geben. In Deutschland gibt es keine ähnlichen aktuellen Listen mit Kaufempfehlungen. Aus den Untersuchungen der letzten Jahre, sowie aus Berichten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) lassen sich jedoch Trends ablesen, die sich mit den Ergebnissen der Amerikaner Großteils überschneiden.

Faustregeln für den Kauf von Obst- und Gemüse:

  • Empfindliche Produkte wie Beeren, Trauben, Aprikosen, Birnen, Tomaten, Paprika, Blattsalate sind meist stärker mit Pestiziden belastet.
  • Weniger belastet sind Gemüse, die unter der Erde wachsen (z.B. Möhren und Kartoffeln), sowie die verschiedenen Kohlarten.
  • Regional und saisonal einkaufen zahlt sich aus:
    • Produkte, die Saison haben, sind deutlich weniger belastet. Hier findest du einen Saisonkalender.
    • Laut Verbraucherzentralen werden hohe Mengen an Pestiziden häufig bei Produkten aus Nicht-EU-Ländern festgestellt. In der Vergangenheit sind dabei besonders Produkte aus der Türkei aufgefallen.

Mehrfachrückstände meiden

Noch völlig unklar ist, wie einzelne Pestizide miteinander reagieren. In Deutschland wird es laut Verbraucherzentralen seltener, dass die gesetzlichen Höchstwerte für einzelne Pestizide überschritten werden, aber immer häufiger werden mehrere Pestizide in einzelnen Lebensmitteln nachgewiesen. Es könnte sein, dass sich diese dann in ihrer Wirkung nicht nur addieren, sondern potenzieren.

Lebensmittel mit den meisten Mehrfachrückständen:

  1. Johannisbeeren
  2. Mandarinen
  3. Tafeltrauben
  4. Rucola
  5. Erdbeeren
  6. Kirschen
  7. Feldsalat
  8. Pfirsiche
  9. Bananen
  10. Aprikosen
  11. Birnen
  12. Orangen
  13. Himbeeren
  14. Knollensellerie
  15. Äpfel
  16. Grüner Salat
  17. Bohnen (mit Hülsen)
  18. Zitronen

Auch hier fällt auf, dass es vor allem Früchte und Blattgemüse sind, die besonders stark belastet sind.

Weitere Tipps zur Verringerung der Pestizid-Belastung

  • Obst und Gemüse immer gut waschen.
  • Nach dem Schälen von Bananen, Zitrusfrüchten und Mangos die Hände gut waschen, damit Pestizidrückstände nicht von der Schale auf das Fruchtfleisch übertragen werden.
  • Wenn du Orangen- oder Zitronenschalen verwenden möchtest, nimm am besten Bio-Ware. Der Hinweis „unbehandelt“ heißt bei konventioneller Ware nur, dass die Früchte nach dem Pflücken nicht mit Konservierungsmitteln behandelt wurden. Die Schalen können aber trotzdem Rückstände von Pestiziden enthalten!
  • Entferne beim Salat die äußeren Blätter (die inneren haben weniger Pestizid-Rückstände).
  • Kartoffeln mit der Kennzeichnung „nach der Ernte behandelt“, solltest du schälen.
  • Tipp: Wenn du im eigenen Garten Obst und Gemüse anbaust, profitierst du am meisten, wenn du dich auf Sorten konzentrierst, die sonst eher stark belastet sind.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wirst du immer einem gewissen Maß an Giften ausgesetzt sein. Lass dir deshalb keine grauen Haare wachsen und iss dein Essen trotzdem mit Genuss! Die positiven Wirkungen von Obst und Gemüse überwiegen auf jeden Fall! 🙂

Wie hältst du es mit dem Kauf von Bio-Produkten?